CBME – Competency based medical education: Wer braucht das?
30. Mai 2026
Competency Based Medical Education (CBME) ist längst mehr als ein Schlagwort – es ist ein Paradigmenwechsel. Statt die Ausbildungsdauer oder die Anzahl absolvierter Lehrveranstaltungen oder die Erreichung von Richtzahlen in den Mittelpunkt zu stellen, zählt im CBME allein, ob Ärzt:innen die erforderlichen Kompetenzen tatsächlich erworben haben.
In Österreich gibt es seit der Ärzteausbildungsordnung 2015 (ÄAO 2015) ein erstes Bekenntnis zur kompetenzbasierten Ärztlichen Ausbildung. Es wurde eine dreistufiges System eingeführt: Basisausbildung, Sonderfach-Grundausbildung und Sonderfach-Schwerpunktausbildung. Jede Stufe mit spezifischen Lehrinhalten mit zu erreichendem Kompetenzniveau. Mit 01.Juni 2026 (5. Novelle der ÄAO 2015) kommt ein nächster Schritt auf freiwilliger Basis. Ein guter Zeitpunkt sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Ein kurzer Blick zurück
Über Jahrzehnte war die ärztliche Ausbildung stark zeit- und inhaltsbasiert organisiert. Studierende und Jungärzt:innen absolvierten vorgeschriebene Kurse, Praktika und Rotationen. Wer die Stunden geleistet hatte, bekam das Diplom – unabhängig davon, ob die Kompetenz auch wirklich gesichert war.
Schon in den 1970er-Jahren entstand die erste Kritik an diesem System. Besonders in Kanada begann eine Bewegung, die den Fokus von „time served“ zu „skills mastered“ verschob. Ein Meilenstein war das CanMEDS-Framework (1996, aktualisiert 2005 und 2015), das ärztliche Rollen in sieben Kompetenzbereiche gliederte – von „Medical Expert“ bis „Communicator“.
Diese Rahmenwerke legten den Grundstein für CBME. Heute findet man ähnliche Modelle weltweit, etwa das ACGME Outcome Project in den USA oder die Entrustable Professional Activities (EPAs) in den USA, der Schweiz oder Deutschland, die Kompetenz in konkrete Aufgaben herunterbrechen.
Was bedeutet CBME?
Kompetenzbasierte Medizinische Aus- und Weiterbildung: CBME ist eine outcome-orientierte Form der Ausbildung. Kernelemente sind:
- Kompetenzen statt Inhalte: Definiert wird, was Ärzt:innen am Ende können müssen, nicht nur, was sie gehört haben.
- Individuelles Lerntempo: Fortschritt hängt nicht von fixen Ausbildungszeiten ab, sondern davon, ob Kompetenzen erreicht wurden.
- Transparenz und Nachvollziehbarkeit: Für Lernende und Lehrende ist klar, welche Fähigkeiten wann erwartet werden.
- Feedback- und Assessment-Kultur: Zentrale Instrumente sind kontinuierliche Rückmeldung und strukturierte Beurteilung, oft durch EPAs operationalisiert.
Warum ist das wichtig?
CBME verspricht, die Patientensicherheit zu erhöhen, die Selbststeuerung der Lernenden zu stärken und die Qualität der Ausbildung vergleichbarer zu machen. Für Lehrende heißt das: weg vom starren Curriculum, hin zu einer Rolle als Coach, Feedbackgeber:in und Wegbegleiter:in.
Wie wird CBME in Östereich umgesetzt?
In den Logbüchern des Wiener Gesundheitsverbundes (WIGEV) haben wir viele Elemente der CBME als „Bausteine“ implementiert. Es dient als Begleitung für Turnunsärzt:innen und Qualitätssicherungselement für die Ärztliche Ausbildung im WIGEV, wie z.B. für die Basisausbildung.
Im Gesetz sind immer Mindestzeiten für jeden Ausbildungsabschnitt definiert, z.B. „zumindest 9 Monate Basisausbildung“, wesentlich ist, dass die im Rasterzeugnis gelisteten Lehrinhalte auf dem Zielkompetenzniveau erreicht werden: Kenntnis, Erfahrung oder Fertigkeit. Ab Juni 2026 sollen nun auch EPAs implementiert werden.
Fazit
Competency Based Medical Education ist kein Modetrend, sondern eine Antwort auf die Anforderungen moderner Medizin. Ärzt:innen sollen nicht nur Wissen ansammeln, sondern nachweislich kompetent handeln können – von Tag eins an.
Dies auch nach außen sichtbar zu machen, ist ein wichtiger Teil und mit dem LOGBUCH des WIGEV bereits gut umgesetzt.
Das ist gut für alle Patient:innen und Ärzt:innen.
Schreibe einen Kommentar